Ich schau nur mehr ein- bis zweimal im Monat rein
Es hat mit der Regierung unter Kurz begonnen. Jedes Mal wenn's kritisch wurde, hat man angefangen, auf das Kopftuch zu bashen. Ich fand das teilweise sehr unausgewogen und emotional, wie berichtet wurde. Ich habe mich überhaupt nicht mehr wohlgefühlt. Und erst die Kommentare... Wie soll ich sagen, ich habe gemerkt, ich bin nicht gewollt.

Die Apps habe ich immer noch auf meinem Handy – Standard, Presse, Wiener Zeitung, Süddeutsche und Die Zeit – aber ich schau nur mehr fallweise rein. Ein bis zweimal im Monat. Bei den deutschen Zeitungen nur punktuell, vielleicht einmal im Monat.
Ich bin eher der analytische Typ
Vom Standard war ich besonders enttäuscht, weil der Standard hat für mich einen Ruf als Qualitätsmedium. Was ich gelesen habe, war oft einseitig. Ich habe das auch persönlich genommen, weil ich eben ein Kopftuch trage und mich damit identifiziere.
Ich bin eher der analytische Typ. Ich habe Technische Physik studiert. Physik hat mir schon in der Schule Spaß gemacht. Wenn du es verstanden hast, hast du gewusst, wie es funktioniert. Von Nachrichten erwarte ich mir einfach nur Information, die stimmt. Ich will mir selbst eine Meinung bilden.
Das Wichtigste bekomme ich von meinen Freundinnen mit
Dazu kommt, dass in den Medien sehr viel Negatives ist. Natürlich sollte man über das Weltgeschehen informiert werden, aber ich habe gemerkt, das tut mir nicht gut. Früher war ich fast ein News-Junkie. Dann habe ich versucht, das zurückzudrosseln. Aber immer, wenn ich die App von der Presse oder vom Standard aufgemacht hab: Kopftuch, Kopftuch... Ich wollte das nicht mehr lesen. Wir haben auch andere Probleme, oder? Irgendwann habe ich mir gedacht: Nein! Das Wichtigste bekomme ich von meinen Freundinnen mit, oder von meiner Familie.

Vielleicht bin ich eine Schmarotzerin. Es wäre schlimm, wenn alle so wären wie ich. Dann wüsste keiner mehr, was los ist. Aber ich nehme mir das Recht heraus.
Ich habe keinen Einfluss auf diese Dinge
Mittlerweile geht es mir gut geht. Mir fehlt nichts. Ich habe ja auch keinen Einfluss auf diese Dinge. Ich bin jetzt pragmatisch. Warum soll ich mich belasten? Was bringt das? Ich spende lieber – ist ja eine Pflicht für mich als Muslimin – und da habe ich das Gefühl, dass ich ein bisschen was tun kann.

Ich bin jetzt mehr auf den englischen Medien unterwegs. Daily Mail und der Tatler, da lese ich über Mode, Lifestyle, High Society… Es ist etwas, das mit meiner wirklichen Welt nichts zu tun hat, einfach nur schöne Bilder anschauen.

Aber ich weiß, dass wir heuer ein Wahljahr haben und dass ich mich informieren muss. Ich werde wieder die Online-Wahlkabine nutzen. Da antwortet man auf Fragen und erfährt, welche Partei zu einem passt. Sachlich und nüchtern. Ich will nicht von Emotionen gelenkt werden. Ich habe nämlich die vorgefasste Meinung, dass Politiker generell lügen, einfach nur damit sie die Stimme bekommen. Da bin ich sehr pessimistisch.
Eine Zeitlang habe ich mich zurückgezogen
Medien aus islamischen Ländern schau ich gar nicht, weil ich mich komplett mit Österreich identifiziere. Das Kopftuch trage ich, seit ich zwanzig bin. Ich bin oft komisch angeschaut worden: Wo kommst du her? – Aus Vorarlberg. – Nein, wo kommst du wirklich her? – Mein Papa ist aus Pakistan. – Ah, du bist aus Pakistan! – Nein, ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen, ich kann nicht mal Urdu… So ging das immer wieder. Und ich habe mich zurückgezogen. Den einzigen Job, den ich mit dem Bachelor in Technischer Physik bekommen habe, war bei A1 in der Rechnungsauskunft am Telefon. Ja, ich habe viel erlebt. Ich habe sechs Jahre mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, in der Parkbetreuung, UNO spielen und so. Aber das wollte ich nicht bis zur Pension machen.
Ich bin eine gebildete Frau
Ich habe dann beim Wifi die Kurse für Financial Business Management gemacht. Und seit kurzem habe ich einen richtig tollen Job. Ich bin Controllerin im Naturhistorischen Museum. Es geht mir gut. Für meine Gebete war ich gewohnt, irgendwo in den Keller zu gehen, aber in meiner jetzigen Arbeit wurde ein Zimmer im Dachgeschoß zur Verfügung gestellt, mit einer Aussicht bis zum Stephansdom! Ich habe Fotos gemacht und verschickt, einfach damit ich positive Erlebnisse weiterleite.

Gegen das Muslim-Bashing in den Medien versuche ich zu tun was ich kann. Ich zeige den Leuten, dass ich keine türkische Frau mit 20 Kindern bin – plakativ gesagt – sondern eine intelligente, gebildete Frau, die gern arbeitet und gut Deutsch kann.
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